CARL. Therapie

Die CARL Therapie ist eine neue Methode zur Wiederbelebung nach Herz-Kreislaufstillstand („plötzlicher Herztod“), die in einer interdisziplinären Zusammenarbeit von Ärzten und Kardiotechnikern der Herz- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg entwickelt wurde. Der innovative Ansatz adressiert dieses häufige Krankheitsbild, welches sich bisher selbst unter optimalen Bedingungen nur sehr bedingt therapieren lässt.

Wenn das Herz stillsteht.

Der menschliche Organismus ist auf einen kontinuierlichen Blutfluss angewiesen, denn das Blut versorgt alle Zellen, Gewebe und Organe mit essenziellen Nährstoffen und sorgt für den Abtransport von Stoffwechselprodukten. Steht das Herz still, wird dieser Kreislauf unterbrochen (Ischämie), und im Energiehaushalt der Zellen und Organe kommt es in kürzester Zeit zu schwerwiegenden Veränderungen. Ischämische Schädigungen lösen in den Zellen eine Reihe von metabolischen Prozessen aus.

Behandlung sofort einleiten.

In dieser Situation wird der vorgeschädigte Organismus eines Patienten bestmöglich von Ersthelfern oder Rettungspersonal behandelt. Erstes Behandlungsziel ist dabei, die Blutzirkulation wiederherzustellen (Reperfusion) und das Blut mit Sauerstoff anzureichern. Beides wird im Rahmen einer herkömmlichen kardiopulmonalen Reanimation (CPR) zunächst per Herzdruckmassage und Laienbeatmung (Mund-zu-Mund oder Mund-zu-Nase) versucht.

Im Rahmen einer erweiterten Behandlung durch medizinisches Fachpersonal wird der Patient dann gegebenenfalls intubiert, defibrilliert und medikamentös therapiert. Im Idealfall lässt sich der Kreislauf mithilfe dieser Maßnahmen wiederherstellen, sodass der Patient in eine Klinik transportiert und die Ursache des Herzstillstands behandelt werden kann.

Wettlauf gegen die Zeit.

Die Erfolgsaussichten für eine erfolgreiche Reanimation ohne neurologische Folgeschäden sind mit den bisher etablierten Methoden allerdings gering. Nur rund zehn Prozent aller Betroffenen überleben einen Herz-Kreislaufstillstand außerhalb eines Krankenhauses, häufig mit schweren neurologischen Langzeitschäden. Vor allem das Gehirn reagiert im Fall einer unterbrochenen Zirkulation empfindlich. Neueren Erkenntnissen zufolge ist dies jedoch weniger die Folge der Ischämie als vielmehr die Folge einer unkontrolliert wiedereinsetzenden Durchblutung.

Die Schädigungen in der Phase der Wiederdurchblutung sind unter anderem auf die bisher kaum kontrollierbare Zufuhr von Sauerstoff zurückzuführen, der in den ischämisch vorgeschädigten Zellen nicht sofort adäquat verstoffwechselt werden kann. Das hochreaktive Gas triggert infolge selbst schwere Schäden an Membranen, Organellen, Proteinkomplexen und anderen Zellbestandteilen. In der Zusammenschau spricht man deshalb von einem „Ischämie-/Reperfusionsschaden“.

CARL Cooler Oxygenator Arterielle BGA Pumpe 1 Pumpe 2 (pulsatil) Drucksensor p2 Fluss- und Blasensensor Manuelles Dosiersystem Umgebungsluft Gasversorgung Drucksensor p1 Sensor venöse BGA Blasenfalle Drucksensor p3 CARL MOX O 2 CARL Controller Arterielle Druckmessung

Schrittweise Wiederbelebung.

Im Rahmen einer CARL Therapie werden diese pathophysiologischen Veränderungen berücksichtigt und zielgerichtet therapiert. Dazu wird zunächst der körpereigene Kreislauf mithilfe zweier Blutpumpen und eines speziellen Schlauchsystems (Perfusionsset), das über die Leistengefäße an den Kreislauf des Patienten angeschlossen wird, überbrückt. Anschließend werden wichtige Vitalparameter – zum Beispiel der Sauerstoffgehalt und der pH-Wert des Blutes – bestimmt und so modifiziert, dass sich der Organismus schrittweise von der Ischämie erholen kann.

Kontrolliert und angepasst werden bei einer CARL Therapie auch die physikalischen Reperfusionsbedingungen, also der Blutfluss, der Blutdruck und die Körpertemperatur. Letztere wird direkt zu Beginn der Behandlung auf etwa 34 °C reduziert. Das Abkühlen unterstützt den Reanimationsprozess in dem Sinne, dass bei tieferen Temperaturen alle Stoffwechselprozesse langsamer ablaufen und damit zunächst die Substratdefizite rascher ausgeglichen werden können.

CARL. Reanimation
im Zeichen der Zeit.

Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit, die der CARL Therapie zugrunde liegt, ist von der Motivation inspiriert, Leben zu retten − und den geretteten Patienten die Chance auf ein sozial und kognitiv erfülltes Leben zu geben. CARL ist deshalb weit mehr als eine Therapie zur Behandlung von reanimationspflichtigen Patienten. Die neue Methodik eröffnet vielmehr den Weg zu einer umfassend zielgerichteten extrakorporalen Versorgung schwerstkranker Patienten.

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