Wie war die herzchirurgische Versorgung im Jahr 2020?

Welt.de, 03.07.2021

Alljährlich publiziert die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) in ihrer Leistungsstatistik die neuesten herzchirurgischen Daten, Zahlen und Fakten zur herzchirurgischen Patientenversorgung in Deutschland. Trotz der erschwerten Bedingungen im Kontext der SARS-CoV-2-Pandemie, konnte die herzchirurgische Fachgesellschaft auch für das herausfordernde Jahr 2020 die Leistungszahlen als wegweisendes Instrument der Dokumentation und Qualitätssicherung erheben.

Herzpatientinnen und Herzpatienten sind in Deutschland bestens und jederzeit versorgt (24/7/365). Unter Berücksichtigung gesundheitspolitischer Aspekte, sprich, den Pandemie-Belastungen und dem Pflegenotstand, des stetig ansteigenden Patientenalters und der damit zwangsläufig verbundenen Ko- und Multimorbidität, zeigt sich die herzchirurgische Versorgung dennoch auf einem bemerkenswerten Qualitätsniveau. So dokumentiert es die DGTHG-Leistungsstatistik 2020. Gleichzeitig zeigt sich für das vergangene Jahr, gekennzeichnet durch mehrere Lock- und Shutdowns, ein signifikanter Rückgang bei den herzchirurgisch etablierten Operationen und Interventionen, die vermutlich den diffizilen Herausforderungen und komplexen Geschehnissen der Corona-Pandemie geschuldet sind.

Corona führt zu Rückgang herzchirurgischer Operationen in allen Bundesländern

So wurden im Jahr 2020 im Mittelwert 110,9 herzchirurgische Operationen je 100.000 Einwohner*innen in den 16 Bundesländern vorgenommen, wobei Bayern mit 94,4 Eingriffen den niedrigsten, und Sachsen-Anhalt mit 167,0 Eingriffen je 100.000 Einwohner den Spitzenwert erreichten. Insgesamt sank die Gesamtzahl der Herz-Operationen im engeren Sinne um 7,6 Prozent von 100.446 im Jahr 2019 auf 92.809 Eingriffe im vergangenen Jahr. Inkludiert man alle erfassten Eingriffskategorien (inkl. Herzschrittmacher-, Defibrillator-Eingriffe, Operationen der herznahen Hauptschlagader ohne HLM), summiert sich die Gesamtzahl auf 161.815 im Jahr 2020 (2019: 175.705); ebenfalls ein deutlicher Rückgang um 7,9 Prozent. Gleichzeitig ist jedoch sicher davon auszugehen, dass die Patientenversorgung für dringliche und Notfalleingriffe zu jeder Zeit flächendeckend bzw. bundesweit durch die 78 etablieren Fachabteilungen für Herzchirurgie mit ihren insgesamt ca. 1000 tätigen Herzchirurginnen und Herzchirurgen sichergestellt war.

Steigendes Patient*innenalter und nahezu stabile Überlebensraten

Seit Jahren (2011-2020) ist zu beobachten, dass das Alter der herzchirurgischen Patientinnen und Patienten sukzessive steigt. Insbesondere die Altersgruppe der 80+ Jährigen machte im Jahr 2020 ca. 19,2 Prozent (2011:13,4 Prozent) der operierten Patienten aus, gefolgt von der Altersgruppe der 70-79jährigen mit 32,2 Prozent. Trotz der jährlichen Zunahme älterer Patient*innen in den herzchirurgischen Fachabteilungen, liegen die Krankenhaus-Überlebensraten in den einzelnen Eingriffskategorien bei durchschnittlich konstant 97 Prozent und spiegeln so die erfolgreiche, qualitativ hochwertige herzchirurgische Versorgung.

Erneut Rückgang der Koronaren Bypass-Operationen

Ein Rückgang um 14 Prozent auf 29.444 (2019: 31.244) war bei den isolierten koronaren Bypass-Operationen zu verzeichnen, bei gleichzeitigem Anstieg (0,2 Prozent) der Überlebensrate auf 97,2 Prozent. Die Durchführung der koronaren Bypass-Operationen mit weiteren Prozeduren lag 2020 bei 8.540, und damit ebenfalls rückläufig um 13,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2019 mit 9.869 Prozeduren.

2020: Weniger Herzklappeneingriffe im Corona-Jahr 2020

Wurden 2019 noch 36.650 isolierte Herzklappen-Operationen gezählt, waren es im vergangenen Jahr nur 35.469, 17.471 kathetergestützte-Eingriffe inkludiert. Der überwiegende Teil der Herzklappenoperationen betrifft die Aortenklappe. Bei 8.186 Patienten wurde im letzten Jahr eine isolierte herzchirurgische Aortenklappenoperation mit Anwendung der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt (2019: 9.391). In weiteren 1.207 Kombinations-Eingriffen wurde die Aortenklappe ersetzt und gleichzeitig die Mitralklappe rekonstruiert oder ebenfalls ersetzt. Durch den Einsatz kathetergestützter Therapieverfahren stieg die Zahl der Eingriffe bei Patienten mit erworbenen Herzklappenerkrankungen in den letzten zehn Jahren spürbar an.

Die Entscheidung für eine herzchirurgische Operation oder ein kathetergestütztes Therapieverfahren muss stets anhand wissenschaftlicher Leitlinien, in denen u.a. ein etabliertes interdisziplinäres Herzteam obligat ist, erfolgen.

Rekonstruktion: Goldstandard bei Mitralklappen-Eingriffen

Der Trend der letzten Jahre setzte sich auch 2020 fort: Bei den 6.050 (2019: 6.419) isolierten Mitralklappen-Operationen wurden bei 64,1 Prozent aller Eingriffe, ergo 3.878-mal, die patienteneigene Mitralklappe rekonstruiert. Bei den übrigen 2.172 Eingriffen (2019: 2.279) wurde die Mitralklappe herzchirurgisch durch eine Prothese ersetzt. Dies auch vor dem Hintergrund, dass nicht jeder Herzklappenfehler für eine Rekonstruktion zugänglich ist. Die In-Hospital-Überlebensrate für diese Patientengruppe liegt im Schnitt bei 97 Prozent.

Herzunterstützungssysteme: Überbrückung oder alternative Dauertherapie

Für schwer herzinsuffiziente Patient*innen ist weiterhin die Herztransplantation der Goldstandard. In Ermangelung an Spenderherzen stehen Herzunterstützungssysteme zur adäquaten Patientenversorgung zur Verfügung. Die Anzahl der implantierten Herzunterstützungssysteme ist von 953 im Jahr 2019 auf insgesamt 843 im vergangenen Jahr zurückgegangen, wobei die sog. Links-/Rechtsherz-Unterstützungs-systeme bei 97 Prozent der Patienten zum Einsatz kommen (824 L/RAVD im Vorjahr: 924). Eine eher untergeordnete Rolle spielen die biventrikulären Herzunterstützungssysteme mit einer Zahl von 12 Implantationen in 2019 (Vorjahr: 14) und die sogenannten Kunstherzen (Total artificial heart) mit 4 TAH Implantationen in 2020 (2019:15 TAH).

Trotz Pandemie: Anstieg der Herztransplantationen um 2,1 Prozent im Jahr 2020

Erfreulicherweise ist die Anzahl der Spenderherzen, und damit die Zahl der Herztransplantationen, trotz der Corona-Pandemie in Deutschland um 2,1 Prozent gestiegen: von 333 Spenderherzen im Jahr 2019 auf 340 im vergangenen Jahr. Die häufigsten Indikationen für die 528 Neuanmeldungen für eine Herztransplantation im letzten Jahr waren die Kardiomyopathie und die chronische ischämische Herzkrankheit. Die DGTHG sieht noch viel Aufklärungsbedarf, um die Öffentlichkeit für das Thema Organspende weiter zu sensibilisieren. Aktiv hat die herzchirurgische Fachgesellschaft daher bereits zwei eigene Aufklärungs- bzw. Charity-Aktionen initiiert.

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